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Raumakustik verbessern: So gehen Profis vor

Weniger Lärm verringert Stress. Weniger Stress erhöht die Konzentration und damit die Arbeitsleistung. Nur wie lässt sich die Geräuschkulisse effektiv dämpfen? Die Profis von AGORAphil verraten, wie die professionelle Optimierung der Raumakustik funktioniert.

raumakustik verbessern

Warum ist Raumakustik am Arbeitsplatz überhaupt wichtig?

Der Hörsinn ist prinzipiell etwas Wunderbares. Wir empfangen Musik und Sprache, während wir uns durch Umgebungsgeräusche orientieren. Doch eins kann unser Hörsinn leider nicht: Weghören.

Unsere prähistorischen Instinkte haben ihre Alarmbereitschaft nie abgelegt. Deswegen reißen uns Signaltöne, Baustellenlärm oder schrille Sprechstimmen aus der Konzentration, obwohl selten Gefahr droht. Daraus resultiert doppelter Stress. Die Reizüberflutung erschwert eine Fokussierung, was den Leistungsdruck erhöht und sowohl Psyche als auch Gesundheit auf Dauer beeinträchtigt.

Auf diesen Erkenntnissen basieren die sogenannten DIN-Normen. Sie definieren die zulässige Lautstärke in den verschiedenen Arbeitsbereichen. Die Messung und Umsetzung obliegt den ExpertInnen. Ihre Mission lautet: Raumakustik verbessern durch Schallreduktion.

Das Prinzip der Raumakustik: Schallreflexion minimieren

Die Schallreflexion, also das Zurückprallen des sich wellenartig ausbreitenden Schalls, hängt von der Beschaffenheit der Oberflächen ab. Glatte, sogenannte schallharte Oberflächen wie Fliesen oder Metalloberflächen werfen den Schall nur geringfügig abgeschwächt zurück. Der Nachhall des Geräuschs verweilt dadurch länger im Raum. Poröse und weiche Materialien hingegen schlucken Teile des Nachhalls. Ihre Struktur wandelt die Bewegungsenergie des Schalls durch die Reibung in Wärme um und wirft ihn verstreuter, also abgeschwächter zurück. Akustikelemente machen sich dieses Prinzip zunutze.

Warum Raumakustik und Akustikelemente zusammengehören

Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel besitzen übrigens auch absorbierende Eigenschaften, reichen für eine wirksame Optimierung jedoch nicht aus. In der Regel sind die Stoffe zu dünn und nicht ausreichend durchlässig. Sie schlucken keine Tiefen und verschlechtern die Sprachverständlichkeit sogar mitunter.

Akustikelemente verbessern die Raumakustik am effizientesten. Sie bestehen aus einem thermisch gebundenem PET-Gewebe, das durch seine Durchlässigkeit und Dicke den Schall besonders gut schluckt. Die individuellen Einsatzmöglichkeiten als Wand-, Decken- und Trennelement oder Einhausung erlauben hohe Flexibilität und passgenaue Optimierung. Teppiche und Vorhänge hingegen bleiben stets in der räumlichen Peripherie hängen oder liegen.

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Raumakustik verbessern ist Maßarbeit

Damit Akustikelemente ihr volles, schallsenkendes Potential entfalten, müssen sie ungefähr 20 bis 25 Prozent der Grundfläche des Raumes einnehmen – in der höchsten Absorptionsklasse (A).

Die Absorptionsfläche lässt sich mithilfe der Sabineschen Formel bestimmen, die auf den Erkenntnissen des Physikers Wallace C. Sabine basiert. Er stellte fest, dass die Nachhallzeit sich proportional zum Volumen des Raumes verhält und wiederum umgekehrt proportional zu den dort befindlichen Absorptionsflächen. Wie viel Nachhall am Ende übrigbleiben soll, hängt vom Zweck der Räumlichkeiten ab.

Einige raumakustische Situationen erfordern sogar eine gewisse Nachhallzeit, um etwa die Lautstärke der Sprechstimmen der Lehrenden in Klassenzimmern oder Hörsälen anzuheben. Raumakustik verbessern bedeutet also individuell und an die Situation angepasst anzusetzen, wie die folgenden Beispiele illustrieren.

Raumakustik verbessern in Großraumbüros und Open Space

Großräumige Flächen lösen zunehmend die abschließbaren Büros ab, um Kommunikationswege zu verbessern, Hierarchien zu verflachen und mehr Transparenz zu schaffen. Es lässt sich jedoch schon erahnen, dass hier verschiedene raumakustische Ansprüche auf einmal zusammenkommen. Während der eine über konzentrierter Schreibtischarbeit grübelt, wird nebenan kreativ gebrainstormt. Ein paar Büroinseln weiter finden wiederum wichtige Telefonate statt. Ohne raumakustische Optimierung, lässt sich die Nachhallzeit auf die empfohlenen 0,5 bis 0,8 Sekunden nicht reduzieren.

RaumakustikerInnen, die in Großraumbüros die Raumakustik verbessern möchten, arbeiten daher kombinatorisch:

  • Schreibtische werden in Großraumbüros idealerweise eingehaust und damit akustisch abgeschirmt.
  • Luftig aufgebaute, akustische Trennwände separieren Büroinseln oder Meetingpoints voneinander.
  • Bei hohen Decken sollten Deckensegel den Schall abfangen, damit dieser sich nicht im Raum verteilt.

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Raumakustik verbessern in Meetingräumen

Während es bei fokussierter Schreibtischarbeit nicht leise genug sein kann, geht es bei Meetings darum, maximale Sprachverständlichkeit zu erzeugen, ohne jedoch die Geräuschkulisse angeregter Diskussionen weiter zu verstärken. Auch in diesem Fall lautet die Lösung: Optimierung durch Kombination.

  • Wandpaneele schlucken den Schall.
  • Tieftonabsorber schaffen Verständlichkeit.
  • Mobile Absorber ermöglichen die akustische Anpassung an verschiedene Anlässen. Sie verringern die Nachhallzeit bei einer Videokonferenz auf die notwendigen 0,3 Sekunden. Bei konventionellen Meetings lassen sie sich einfach herausschieben, sodass die Geräuschkulisse nicht zu dumpf klingt.

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Raumakustik verbessern in Klassenzimmern und Hörsälen

Eine Stecknadel im Klassenzimmer hörbar fallenzulassen, ist der Traum jeder Lehrkraft. Im Alltag liegt die akustische Kulisse meist jenseits von Gut und Böse. Es ist nachgewiesen, dass der Lärmpegel auf bis zu 80 Dezibel ansteigt, was der Lautstärke eines vorbeifahrenden LKWs entspricht. Der Lärm erfordert, permanent laut zu sprechen und belastet nicht nur Stimmbänder, sondern auch Nerven. Häufig leiden Lehrerinnen an Heiserkeit oder gar Stimmbandproblemen.

Die Installation von Tieftonabsorbern in Form von Deckenelementen fördert die Sprachverständlichkeit und verringert in Kombination mit zusätzlichen Wandelementen die Nachhallzeit.

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Raumakustik verbessern in der Pflege

In Pflegeheimen brodeln durch große breite Flure und Gemeinschaftsräume ebenfalls akustische Problemherde, die zu Lasten der Bewohner und den Pflegenden gehen. Die raumakustische Herausforderung liegt vor allem darin, bei allen Maßnahmen weiterhin Wohnlichkeit und Hygiene zu gewährleisten.

Bedruckte Akustikelemente an der Wand oder als Raumteiler stellen sowohl akustisch als auch visuell Gemütlichkeit her. In den Essbereichen sollten abwaschbare Schallabsorber die Geräuschkulisse eindämmen.

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Wenn die Akustik am Arbeitsplatz stimmt

Raumakustische Optimierung benötigt also dreierlei: situationsgerechte Planung, Expertise und erstklassige Materialien. Das Ergebnis hört sich wohltuend an, sieht gut aus und macht sich auch noch im Raum nützlich. Der gewünschte Effekt folgt auf dem Fuße: Der Lärmpegel sinkt, sowohl Konzentration als auch Wohlbefinden steigen und erhöhen Motivation und Leistung. Eine Investition der Wertschätzung, die zur Wertschöpfung führt.

Anders ausgedrückt: Gute Raumakustik ist eine Win-Win-Situation für alle.